Teil 6 - Perth to Alice Springs, to Sydney
13. November 2002 bis 30. Januar 2003

Ich war also in Perth, welches ich kurzerhand zu meiner australischen Lieblingsstadt erklärt habe. Trotzdem war die Zeit gekommen, wieder Aufzubrechen um einen weiteren Teil Australiens zu entdecken. Immerhin musste ich mich noch nicht definitiv von Perth verabschieden, da ich mich nur auf eine zweiwöchige Rundreise aufmachte...

Plötzlich ungeduldig geworden, ohne den passenden Reisepartner gefunden zu haben, brach ich diesmal alleine auf. Ich fuhr der Küste nach hinunter nach Bunburry, zum Cape Naturaliste, von wo aus sich der Leeuwin-Naturaliste Nationalpark bis hinunter nach Cape Leeuwin erstreckt. Die ganze Küste dazwischen ist gespickt mit kleinen Buchten und superschönen Sandstränden. Natürlich durfte ich das Weinzentrum Western Australiens, Margaret River nicht auslassen und übernachtete dort, nachdem ich mit meinen englischen Zelt Nachbarn ganz Backpacker mässig einen Karton Rotwein (4l) geleert hatte. Die Gegend ist auch bekannt für seine Sandstein Höhlen, und so ging's dann tags darauf auf Höhlen Erkundung. Eine falsche Abzweigung genommen, landete ich nicht beim angepeilten, bekannten Lake Cave, sondern beim Calgardup Cave. Dies war nicht nur günstiger, sondern auch abenteuerlicher! Da wurde ich mit einem Helm und zwei Taschenlampen ausgestattet und in die unbeleuchtete Höhle geschickt. Auch war diese Höhle wenig besucht, wodurch ich auf meiner Expedition nur gerade zwei weitere Entdecker antraf. Am Ende des Tunnels habe ich das Licht ausgeknipst um die absolute Dunkelheit zu erleben. Nach diesem Abenteuer besuchte ich als krassen Gegensatz noch das Mammoth Cave. Diese ist hell Beleuchtet und birgt in der grossen Eingangshalle gar eine Kunstausstellung!

Cape Leeuwin, das ist der Punkt, von wo aus man den Sonnenaufgang (über dem Southern Ocean) wie auch den Sonnenuntergang (über dem Indian Ocean) über dem Meer sehen kann! naja, zumindest theoretisch, denn wenn es bewölk ist oder gar regnet, wie dies zu dieser Zeit der Fall war, hat man halt nicht sehr viel davon... Trotzdem ist das Zusammentreffen der Ozeane natürlich ein Besuch des Capes, des darauf gebauten Leuchtturmes und des versteinerten Wasserrades wert. Da sich das Wetter in den nächsten Tagen nicht verbesserte kam ich ziemlich schnell voran. Nach einem Stopp beim Tree Top Walk, wo man auf der Höhe der Baumwipfel spazieren gehen kann, kam ich bereits nach Albany. Dort gibt's ausser einem Hundekopf aus Stein (genannt Dog Rock) nicht viel zu sehen. Dafür habe ich Alexandra und Fernando, ein Schweizer Pärchen auf Hochzeitsreise, welches ich am Cape Naturaliste kennen gelernt hatte, zufällig wieder angetroffen.
Auf dem weiteren Weg fuhr ich durch den Stirling Range National Park und dann in den Fitzgerald River Nationalpark, wo ich in nächster Nähe zum Strand campieren konnte. Am Morgen darauf begann ich dem einsamen Sandstrand entlang zu spazieren... Es war so wunderschön, dass ich einfach nicht stoppen konnte... Ich war schlussendlich über vier Stunden unterwegs ohne einen einzigen Menschen anzutreffen, ehe ich wieder zurück beim Auto war. Alles entlang dem Meer auf feinem, weissem Sand... das war echt voll gediegen!

Esperance, ebenfalls für seine weissen Sandstrände bekannt, erreichte ich am nächsten Tag. Bei ok Wetter besuchte ich den nahe gelegenen Cape Le Grand Nationalpark. Gemütliche Buchten, weisse Stände, so könnte man diesen Park umschreiben. Den einzigen Hügel, den Frenchman Cap, habe ich bestiegen und wurde zuoberst vom starken Wind fast weggeblasen. Darum musste ich auch das obligate Gipfelfoto auslassen.
Schon bald machte ich mich dann in die eigentlich verkehrte Richtung auf, zurück nach Perth. Unterwegs besuchte ich den Wave Rock, ein Felsen der wie eine Welle aussieht. Und ich stoppte in einem kleinen Nest, wo jeder jeden kennt, mit dem Namen Kukerin. Dieses hat gerade mal 72 Einwohner und als ich ins Dorf hinein fuhr hatte ich das Gefühl, dass am nächsten Tag wohl jeder wissen wird, dass ein Fremder da war... Ich war auf der Suche nach dem Kukerin Hotel, welches auch nicht schwer zu finden war. Was treibt mich also in diese abgelegene Gegend? Ist ja wohl klar... Frauen... ;-) Nein, nicht dass es dort viele weibliche Einwohner hätte, aber ich wusste dass zwei Schottländerinnen dort im Pub arbeiteten. Ich hatte sie in Perth kennen gelernt und ihnen versprochen sie zu besuchen (was sie aber nicht wirklich glaubten hehe..). Also da war ich, und wie vermutet entgeht in so einem kleinen Kaff niemandem etwas... Ich wurde bereits bemerkt als ich am Hotel vorbei fuhr und da kamen die beiden Emmas auch schon angerannt... Ich musste natürlich an der Bar ein Bier trinken (ich wurde sozusagen dazu gezwungen ;-)) und bei dem einen sollte es nicht bleiben... langsam füllte sich die Bar, bis schlussendlich wohl alle Farmer der Gegend anwesend waren. Fey, die Wirtin teilte mir dann mit, dass sie mir kein gratis Bier mehr offerieren könne (habe ich ja auch nie erwartet...) aber ich dafür gratis in einem ihrer Hotelzimmer übernachten könne! wo gibt's sowas noch?!! Dafür lernte ich jetzt auch noch die dortigen Zahlungsmodalitäten kennen... das Geld wird einfach auf die Theke gelegt. Wenn das Bier leer ist und man keines mehr möchte (soll's geben ;-) legt man das Glas hin, ansonsten wird's vom Personal aufgefüllt und das Geld abgezogen... Wenn nicht mehr genug Geld da liegt, legt man mehr hin... Und geht man auf die Toilette lässt man das Geld natürlich da liegen, es würde ja niemandem in den Sinn kommen dieses zu nehmen!
Dies war einmal ein etwas anderer Samstagabend und ein grossartiges Erlebnis, an einem Ort wo wohl noch selten ein Tourist vorbei gekommen ist!
Tags darauf hiess es schon wieder Abschied nehmen und ich fuhr zurück nach Perth. Zum Glück kannte man mich im Backpackers, wo ich doch schon einige Zeit verbracht hatte, schon, und so bekam ich ein Bett, obwohl es eigentlich ausgebucht war...

Dort traf ich dann die Engländer Jon, Dom und Rupert wieder. So feierten wir also das Wiedersehen ausgiebig mit viel... ratet mal... genau... Bier! Zudem musste mein Auto für die lange Überfahrt nach Adelaide Fit sein, und so musste ich die Bremsen reparieren lassen.
Eine Begleitung hatte sich noch nicht aufgedrängt, und so war ich also wieder alleine unterwegs. Die erste Etappe Richtung Adelaide bracht mich nach Kalgoorlie. Dies ist eine der wenigen und grösste Goldgräberstadt, die auch heute noch von den Goldminen lebt. Bekannt auch für seine Skimpy Pubs. Dies sind eigentlich normale Pubs, mit dem Unterschied dass ein Teil des weiblichen Bar Personals in Unterwäsche serviert... Da musste ich natürlich hin, ist ja klar, zum Kulturaustausch ;-) Es sollte sich ein spannender Abend entwickeln... zuerst fing ich ein Gespräch mit einem Inder, der seit über zehn Jahren in Australien lebt, an. Er fragte mich also was ich arbeite. Da mir diese Frage während dem Reisen schon mindestens tausend mal gestellt worden war, fing ich irgendwann an spasseshalber zu sagen, dass ich Banken ausraube. Es ist immer faszinierend zu sehen wie verschiedene Leute ganz unterschiedlich darauf reagieren... Dies tat ich also auch diesmal und bekam ein schockiertes "really?" zur Antwort. Ich bestätigte und er blieb schockiert... also dachte ich löse das Rätsel besser auf und sagte ihm dass ich nur Spass mache... Erleichtert setzten wir das Gespräch fort und ich erfuhr warum er so schockiert war. Rätsel: was könnte dieser gute Mann wohl von Beruf sein? ...das konnte wohl niemand ahnen... Psychologe... im Gefängnis! ;-))
Danach erzählte ich den jungen Australier Tyson, dass ich nach Adelaide unterwegs sei. Er fragte mich ob ich noch ein Plätzchen frei habe... ja, hab ich, aber ich fahre am nächsten Morgen um 8 Uhr los... Hmm... er machte ein paar Telefone und entschied sich spontan mich zu begleiten. Am nächsten Morgen holte ich ihn also ab, er liess seine Freundin kurzerhand sitzen, und wir fuhren zuerst mal zu seiner Mutter, wo er sich noch verabschieden musste... Dann ging es auf die eintönige Fahrt durch die Nullarbor Plain. Wir erreichten am Abend noch fast die Grenze zu South Australia bevor es dunkel wurde, und übernachteten auf einer Raststätte.
Die Landschaft war auch weiterhin sehr öde und komplett flach. So bemerkt man nicht einmal, dass man nur unweit vom Meer entfernt ist! Zum Glück hatte ich einen Beifahrer der diese Strecke schon einige male abgefahren ist, und darum genau wusste wo es sich lohnt von der eigentlichen Route abzuweichen. Eine Seitenstrasse genommen, und schon nach wenigen hundert Metern standen wir oberhalb einer Klippe mit atemberaubender Aussicht!
Zwei, drei Mal machten wir solche Abstecher, ansonsten hielten wir nur zum Auftanken (Benzin für das Auto, Energy Drink für den Fahrer) oder Essen... und dann noch einmal unfreiwillig, als es plötzlich so komisch nach verbranntem Gummi zu stinken begann! Zum Glück nichts Schlimmes: ein Riemen der die Klimaanlage und Servo Lenkung antreibt war gerissen... Da es bewölkt und unter 30 Grad warm war hatte der Ausfall der Klimaanlage keine grösseren Schweissausbrüche zur Folge und die Strecke war so gerade, dass die Servolenkung eh nicht benötigt wird... am Tag zuvor hatten wir die längste gerade Stecke Australiens, 145km keine einzige Kurve(!), abgefahren.
Am Abend wollten wir Whyalla (da wollte Tyson hin, und wir hatten eine Übernachtungsmöglichkeit) erreichen, was und beinahe noch vor Dunkelheit gelang... aber wir liessen uns von einem Wegweiser verleiten, der eine Abkürzung versprach! Naja, kürzer war die genommene Route ja schon, aber aus der geteerten Strasse wurde plötzlich eine Schotterstrasse, und nicht gerade die Beste! So mussten wir das Tempo doch ziemlich drosseln, und langsam dunkelte es ein... nur schön langsam dachte ich mir, und da kam ein Känguru aus dem Gebüsch gehüpft und knallte in die linke Autoseite! Ich weiss nicht wer mehr erschrocken ist... das Viech verschwand jedenfalls wieder im Gebüsch und am Auto war nur ein bisschen Blech verbogen... ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir dann unser Tagesziel...
Am nächsten Tag in Adelaide angekommen, hatte ich also die intensivste Autofahrt bisher erfolgreich hinter mich gebracht, und in dreieinhalb Tagen 2700km zurückgelegt!
Aber damit noch nicht genug, nein, die nächsten 1400km nach Alice Springs nahm ich schon bald in Angriff! Diesmal wieder alleine unterwegs fuhr ich am ersten Tag rund die Hälfte dieser Distanz und erreichte Coober Pedy. Dies ist ein ganz spezielles Örtchen. Nicht nur, dass es weit ab von jeder Zivilisation liegt, dass es von den Opalminen lebt, sondern darum, weil die meisten Bewohner unterirdisch wohnen! Unter der Erde ist auch der einzige Ort, wo's schön kühl ist! Auch ich wahr natürlich froh darum, da sich die Klimaanlage trotz ersetztem Keilriemen nicht mehr in Gang bringen liess und das Thermometer auf knapp 40 Grad stieg, und quartierte mich in einem Backpacker im Untergrund ein.
Nachdem ich am nächsten Tag ein unterirdisches Opal Museum und den örtlichen Aussichtspunkt besucht hatte, war ich auch schon wieder auf der Strasse... der Plan war am Abend Alice Springs zu erreichen... aber jemand schien etwas gegen diesen Plan zu haben... noch etwa 200km fehlten, als ich plötzlich mit Schrecken feststellte, dass die Temperaturanzeige ungesund hoch war... also hielt ich neben der Strasse an und öffnete die Motorhaube. Schnell sah ich, dass (wieder einmal) ein Kühlschlauch defekt war. Diesmal war's so drastisch, dass praktisch kein Wasser im Kühler mehr übrig war. Nachdem das ganze ein bisschen abgekühlt war, konnte ich den Schlauch notbedürftig reparieren und Wasser nachfüllen. Nur... der Motor wollte trotzdem nicht mehr starten! Was nun? Na dann versuch ich doch mal jemanden mit einem Abschleppseil zu finden! Gerade viel Verkehr herrschte ja nicht gerade, aber trotzdem kam ab und zu ein Auto vorbei... auch hielten viele an, nur hatte keiner ein Abschleppseil... Aber noch war's nicht dunkel und da hielt noch ein netter Australier. Er meinte er habe zwar auch kein Abschleppseil, kenne sich aber mit Kühler aus... was er dann herausfand konnte mich nicht gerade aufmuntern: Wasser im Öl, na dann prost... das heisst wohl das die Zylinderkopfdichtung hinüber ist, was nicht so auf die Schnelle repariert werden kann... Da hab ich mich mal für die (versuchte) Hilfe bedankt und er zog von dannen... naja, dachte ich, ich kann ja wenn's dunkel wird im Auto schlafen und es am Morgen weiter probieren... no panik! Hatte mich also schon fast darauf eingestellt, als der nette Australier von vorhin plötzlich wieder auftauchte! Er war zum nächsten Roadhouse gefahren und hatte ein Abschleppseil gekauft! So kam ich also doch noch dazu die Nacht in der Nähe der Zivilisation zu verbringen. Natürlich hatte es aber bei diesem Roadhouse kein Mechaniker in der Nähe! Was soll man also anderes tun, als den nächsten Mechaniker kommen zu lassen? Den gab's ja bereits im Nachbarort, oder klarer Ausgedrückt, im Nachbar Roadhouse, wenn man dem denn so sagen kann ;-) Lag doch eine Distanz von 100km dazwischen. So kam mein Auto dann auch mal dazu ohne Anstrengung weiterzukommen und die Aussicht zu geniessen ;-) Obwohl es Sonntag war macht sich Graham, der Mechaniker unverzüglich daran den Motor auseinander zu nehmen. War noch ganz interessant zuzuschauen, hab ich doch noch nie einen Motor in seinen Einzelteilen gesehen... Ich hatte Glück, dass Graham am nächsten Tag sowieso nach Alice Springs musste, so konnte er gleich die nötigen Ersatzteile besorgen, und konnte mich mitnehmen damit ich nicht den ganzen Tag beim Roadhouse rumhängen musste.
So war ich also mit nur wenig Verspätung in Alice Springs angekommen, wenn auch nicht gerade auf die erwartete Art und Weise... und Alice Springs hatte ich nach einem Tag auch bereits gesehen... Ich war auf den Aussichtspunkt und im Ort umher spaziert bevor ich vor der Hitze (45 Grad) in ein klimatisiertes Einkaufszentrum flüchtete. Ich übernachtete in einem Backpackers und fuhr die 100km zurück zum Mechaniker per Autostopp. Tatsächlich war mein Autochen schon am selben Tag wieder fahrbereit! Und so war ich schon bald wieder auf dem Weg zurück nach Alice Springs, nicht weil es mir dort so gut gefallen hatte, aber weil ich die Gegend von dort aus noch ein bisschen erkunden wollte.

So unternahm ich einen Tagesausflug zu den East MacDonnell Ranges. Im krassen Gegensatz zum sonst flachen und trockenen Land, erstreckt sich diese, nicht sehr hohe, Hügelkette über einige hundert Kilometer. Unterbrochen wird sie immer wieder von schmalen Tälern, durch die sich ein Fluss durchgefressen hatte. Diese waren zwar meist ausgetrocknet, aber teilweise gab's da sogar noch Wasser! Nach einigen Zwischenstopps war ich im Arltunga Historical Reserve angekommen. Dies ist eine verlassene Goldgräberstadt. Das Visitor Centre ist sehr interessant und mit einigen alten Goldgräber Utensilien ausgestattet. Zudem sind an verschiedenen Orten Ruinen zu sehen. Das Beste ist aber ein alter Stollen, der öffentlich zugänglich ist. So hiess es also Taschenlampe schnappen und die Leiter hinunter klettern... Dann ging's einem schmalen Stollen entlang, wo ich ein paar Fledermäuse aufgestreckt hatte und die mir dann um die Ohren flogen... Zum Glück haben die ein gutes Navigationssystem und so kam es zu keinem Zusammenstoss ;-) Nach einigen Metern erreichte ich bereits den Ausstiegspunkt um wieder an die frische Luft zu gelangen... Auf dem Rückweg traf ich dann noch ein paar Kamele an, welch gemütlich der Strasse entlang gingen...
Am nächsten Tag ging ich dann in die andere Richtung, den West MacDonnell Ranges entlang. Leider war es diesmal ein bisschen Bedeckt, sah sogar aus, als ob es bald Regnen würde, tat dies aber bis auf ein paar wenige Tropfen nicht... auch hatte es ein bisschen abgekühlt... es war nur noch knapp 40 Grad ;-))
Ich hatte in Alice Springs eine Notiz ausgehängt, um eine Reisebegleitung zurück nach Adelaide zu suchen... darauf meldete sich das englische Pärchen Sara und Tristan. Zwar hatte ich ein bisschen Vorbehalte mit einem Pärchen zu reisen, sie waren aber die einzigen Kandidaten, schienen nett zu sein und es war ja nur für ein paar Tage. Es ist halt doch unterhaltender nicht alleine unterwegs zu sein, auch wenn ich das auch sehr genossen hatte. So ging's also los Richtung Adelaide, mit Abstechern zum Kings Canyon und Ayers Rock. Als Abkürzung wählten wie die schottrige Ernest Giles Road, wodurch wir fast 200km einsparen konnten. Die Strasse sei in gutem Zustand und auch mit nicht 4-Rad angetriebenen Fahrzeugen problemlos zu bewältigen, hatte man mir im Touristenbüro in Alice Springs mitgeteilt. Die Strasse war dann eigentlich auch in gutem Zustand, nur zwischendurch hatte es doch einige rumplige Stellen, wo das ohnehin tiefe Tempo massiv gedrosselt werden musste. Als Katastrophal, und am Limit mit einem nicht geländetauglichen Fahrzeug, kann man aber den Abstecher zu den Henbury Meteorite Craters bezeichnen. Trotzdem hat es sich gelohnt, hat doch der grösste Krater einen Durchmesser von 180m und ist 15 tief.
Wir erreichten also den Watarrka (Kings Canyon) Nationalpark und hatten noch genügend Zeit für den Rim Walk. Der Aufstieg war ein bisschen anstrengend, danach ging's aber schön gemütlich dem Canyon entlang zum Garden of Eden. Und tatsächlich, in einer kleinen Nebenschlucht hat's plötzlich fliessend Wasser und grüne Pflanzen und Bäume! Das ist wohl unverkennbar der Garden of Eden! Auf der andern Seite des Canyons ging's dann zurück, mit spektakulären Ausblicken über die teilweise über 100m hohen Canyon Wände.
Nach einer Nacht auf dem Camping Platz des Kings Canyon Resorts war wieder ein paar Stunden Autofahrt angesagt... und dann tauchte plötzlich dieser riesige Felsen in der Mitte der Wüste, genannt Uluru oder Ayers Rock, auf! War schon faszinierend, nachdem ich das Bild dieses "big rock" doch schon x-mal gesehen und soviel darüber gehört hatte! Eigentlich ist's ja schon nur ein grosser Stein, aber irgendwie ein faszinierender... Beinahe begann es noch zu Regnen, was ein unglaubliches Spektakel mit hunderten kleinen hinunterfliessenden Bächen sein soll. Dies bliebe und jedoch leider verwehrt, und auch der Berühmte Sonnenuntergang konnten wir nicht bestaunen, da sich die Sonne nicht zeigte. Dafür sahen wir am nächsten Morgen, nachdem wir ziemlich früh aus dem Zelt gekrochen waren, den Sonnenaufgang. Zusammen mit etwa tausend anderen Schaulustigen! Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, ist es doch faszinierend anzusehen, wie sich der graue Felsen langsam zum roten wandelt! Auf das Besteigen haben wir verzichtet, da die Aborigines dies nicht möchten, da es sich für sie um einen heiligen Felsen handelt. Im Gegensatz zu hunderten von grösstenteils Japanern haben wir dies respektiert und sind stattdessen um den Uluru herum spaziert. Die wahre Grösse des Felsens liess sich so gut erfahren und von nahem sieht die Oberfläche lange nicht so glatt aus wie von weitem. Nachdem wir die, neben dem Opernhaus in Sydney, berühmteste Touristenattraktion Australiens von unserer Liste abhaken konnten ging's weiter zur nächsten, wenn auch weniger bekannten, aber nicht weniger spektakulären, Attraktion. Bei zunehmender Hitze erreichten wir die Olgas und den "Valley of the Winds Walk" noch rechtzeitig, bevor dieser um 11 Uhr Morgens wegen der Hitze geschlossen wird. Auch hier konnten wir wieder faszinierende Felsformationen bewundern.

Nach einem weiteren Zwischenstopp in Coober Pedy waren wir schon bald zurück in Adelaide. Diesmal lief das Auto zum Glück problemlos, zuverlässig und ohne Zwischenfall...
In der Zwischenzeit war's bereits Weihnachten geworden, was mich aber nicht besonders kümmerte, und was bei schönstem Sommerwetter ja auch nicht besonders auffällt... ausser, dass jeder zweite mit einer roten Zipfelmütze herumläuft...
Da mir Adelaide eher mässig gefällt und ich schon genug Zeit dort verbracht hatte, war ich schon bald nach Melbourne unterwegs... Dort traf ich die beiden Emmas wieder und zog mit dem Irländer Mikki durch die Häuser, resp. irischen Pubs... ;-)
Nach ein paar Tagen ging's weiter, zurück nach Sydney. Somit schloss sich der Ring, was in mir doch ein wenig Wehmut auslöste, wurde mir doch so langsam klar, dass die Reise dem Ende zu geht, auch wenn noch über ein Monat übrig war... Dafür freute ich mich darauf, meine in Perth kennen gelernten, englischen Freunde Jon, Dom und Rupert wieder zu sehen und mit ihnen zusammen Silvester zu feiern!
So sass ich also schon bald auf der Wiese beim Circular Quai, mit Blick auf Opernhaus und die Harbour Bridge. Vor mir stand eine Kiste Bier, aber nicht eine Kiste wie ihr euch das jetzt vorstellt! Sondern das kam so... um das gekaufte Flaschenbier kühl zu halten kauften wir eine billige Plastikbox und füllten sie mit Eis... alles gut bis dahin... womit aber niemand rechnete: auf dem angepeilten Gelände war kein Glas erlaubt!! Was also tun? Klar, Weg mit dem Eis, alle Flaschen öffnen und in die Kiste giessen... :-)) schnell noch ein paar Plastikbecher organisiert und alles war geritzt mit unserer Kiste Bier ;-)
Um Mitternacht gab's dann ein tolles Feuerwerk, unter anderem von der Harbour Bridge aus, und so waren wir bereits im neuen Jahr!

Jon und Rupert wollten am nächsten Tag in die Blue Mountains fahren, um sich ein bisschen von den Alkohol Strapazen (die hatten von Weihnachten bis Silvester durchgesoffen...) zu erholen. Ich schloss mich ihnen spontan an...
So verbrachten wir ein paar tolle Tage mit einer Wanderung jeden Tag und hatten tatsächlich drei volle Tage ohne Alk! Die Blue Mountains bieten sich für Erholungssuchende aus der Stadt auch förmlich an. Katoomba, das grösste Dorf in der Gegend, ist ein kleiner Ort wo nicht viel läuft, aber dafür die Umgebung umso schöner ist... schon fast ein bisschen heimatlich! NUR handelt es sich bei den Blue Mountains nicht, wie aus dem Namen geschlossen werden könnte, um Berge, sonder vielmehr um ein Tal! Blue Valley wäre in unseren Augen also die bessere Bezeichnung... Das Blau hingegen ist gut nachvollziehbar. So erscheinen die Bäume doch recht bläulich, was offenbar auf den Öl Nebel der Eukalyptus Bäume zurückzuführen ist. Unsere erste Wanderung führte uns natürlich zu den Three Sisters, der Hauptattraktion. Von dort sind wir die unzähligen Treppenstufen hinunter gestiegen, gemütlich dem Tal entlang spaziert und mit der weltweit steilsten Bergbahn wieder zurückgefahren... Das war zwar schön, aber viel zu touristisch! Da gefiel mir der nächste Tag und somit die nächste Wanderung doch schon sehr viel besser! Zuerst ging's gemütlich zu den superschönen Wentworth Falls und dann ziemlich Steil dem Wasserfall entlang nach unten! Echt abenteuerlich... dann folgte ein Kräftezehrendes Auf und Ab, immer bei toller Aussicht. Der Schlussanstieg hatte es dann auch noch in sich... diesmal gab's keine Bahn... ;-)
Tags darauf regnete es am Morgen... da haben wir schon fast gedacht wir hätten einen Ruhetag als es am Nachmittag doch noch aufhellte. Also nichts wie los... The Boulders hiess diesmal das Ziel... was wir am Anfang nicht wussten, ist dass wir nur schon über eine Stunde zu Fuss unterwegs waren um überhaupt den Start des Walks zu erreichen. Inzwischen war es schon drei und die Tafel zeige 5 Stunden retour. Na also dann mal Gas geben! ...schon fast im Spurt ging's dann hinunter, dem Tal entlang und wieder hinauf... und was, schon da? in gut einer Stunde hatten wir den Wendepunkt bereits erreicht... die spinnen die Backpacker ;-))
nach einem gemütlichen Picknick auf einem der grossen Steine (Boulder) machten wir uns auf den Rückweg...
Somit hatten wir uns also endlich wieder mal ein Bier verdient gehabt!
Und schon ging's wieder zurück nach Sydney... Jon und Dom nahmen am nächsten Tag den Flieger nach Neuseeland, sie hatten mich noch versucht zu überzeugen sie zu begleiten..., und ich zog auf den Campingplatz mit dem Ziel mein Auto und das Camping Zeugs zum Verkauf bereit zu stellen...
So nahm ich's dann gemütlich mit Ware aussortieren und Auto waschen... und ich genoss nochmals bei schönstem Wetter das Campingleben für ein paar Tage. Dann zog ich zurück ins Kings Cross Quartier, in welchem sich der Backpacker Automarkt befindet, und schleppte all mein Gebäck in ein Backpackers... Nachdem ich den Automarkt mal kurz auscheckte, stellte ich mit Schrecken fest, dass ich wohl den schlechtesten Zeitpunkt gewählte hatte um das Auto zu verkaufen... Der Automarkt befindet sich in einer Tiefgarage und dort standen schon mindestens hundert Autos zum verkauf! Nachdem mir ein Engländer erzählte, dass er schon eineinhalb Wochen auf einen Käufer warte und erst eine einzige Person eine Probefahrt machte, entschied ich mich nach Alternativen Ausschau zu halten... Also besuchte ich ein paar Autohändler um herauszufinden, was das Mindeste ist was ich kriegen kann... Nachdem ich einige Versucht hatte, von dem mir die einen überhaupt nichts geben wollten, fand ich ein gutes Angebot und war das Auto dann plötzlich schneller los als erwartet...

Also schleppte ich mein Gepäck ein weiteres Mal und zügelte in ein Backpackers am Bondi Beach, nur wenige Minuten vom Strand entfernt... So liessen sich die letzten zwei Wochen noch sehr gut verbringen, und ich konnte endlich mal so richtig Ferien machen :-))
Ein bisschen Action musste dann aber auch noch sein, und ich meldete mich kurzerhand für einen Fallschirmsprung an, was ich schon lange mal tun wollte. Schon bald sass ich dann im Flugzeug und es ging in die Höhe... Dann schnallte sich so ein Typ ganz eng an meinen Rücken und schwups ging's raus... aahhhh... yeahhh... freier Fall für fast eine Minute... yupie... Wow! dann plötzlich Ruhe... und schön gemütlich dem Boden entgegen gleiten... wow, was für ein tolles Erlebnis das war!
Ausser ausspannen, am Strand liegen, durch die Stadt spazieren und ausgehen habe ich dann auch nicht mehr viel gemacht und darum endet dieser Bericht und somit meine Australienreise hier...