Teil 3 - Brisbane to Cairns
19. Mai 2002 bis 19. Juli 2002

Ich habe mich also für zwei Wochen in Brisbane aufgehalten, mit der
Hoffnung meine Kamera kurzum zurück zu erhalten. Die Zeit ging mit
Stadtspaziergängen, Shopping, Internet Cafes, Kinos, Ausgang und
Gesprächen mit neu gewonnenen Freunden wie immer unglaublich schnell
vorbei. Eine Reisebegleitung hat sich nicht aufgedrängt, und meine
Kamera war auch noch nicht bereit... so entschied ich mich, nochmals ein
Stückchen zurück Richtung Süden nach Byron Bay, wo es mir doch recht gut
gefallen hat, aber die Zeit zu knapp war, zu fahren. Mein Ziel war
endlich wiedermal das Surfen auszuprobieren. Im Backpackers lernte ich
dann prompt Shimon, einen Israeli, kennen, welcher die gleiche Absicht
verfolgte. So buchten wir doch gleich eine 4 stündige Surflektion für
25$, inkl. gratis Kebab! Und schon ein paar Stunden später standen wir
auf dem Surfboard. Und wenn ich sage standen, dann ist das nicht
gelogen! Wir haben es doch tatsächlich geschafft, auf diesem Bügelbrett
aufzustehen! Dies war Motivation genug, für den nächsten Tag gleich eine
weitere Lektion zu buchen. Naja, diese war dann nicht mehr so toll... es
regnete in strömen und der Wind preschte nur so über das Wasser...
brrrr... nichts desto trotz managten wir es auch diesmal wieder
aufzustehen. Wir sahen dann aber davon ab eine weitere Lektion zu
buchen, da das Wetter nicht besser zu werden schien. Stattdessen machten
wir uns am nächsten Tag zusammen mit Nikki (England), Ana (Holland) und
Joel (Spanien) auf nach Nimbin. Dieses Dörfchen ist bekannt dafür eine
gesetzfreie Zone, was Drogen betrifft, zu sein. Dies ist dann auch schon
Grund genug, ein Anziehungspunkt für Touristen zu sein. Ausser einem
kleinen Museum über Nimbin und Drogen, ein paar Shops und Restaurants
gibt es nicht viel zu sehen, aber dafür alles zu kaufen... Davon haben
wir aber nur minimal gebrauch gemacht, und ein paar Hasch Cookies
eingekauft... mit  dem Effekt, dass ich nicht etwa Hi, sondern viel mehr
hundemüde wurde... naja, da nehm ich doch lieber wiedermal einen Zug von
einem Joint...

Da sich die Sonne auch am folgenden Tag noch nicht zeigen wollte, und
Byron Bay ohne surfen nur halb so lustig ist, zog ich in Begleitung von
Shimon weiter nach Cabarita Beach (bestehend aus ein paar Häuschen,
einem Shop, Tankstelle und einem Backpackers), wo wir Nikki und Ana
wieder trafen. Eine Nacht oder zwei, war zuerst die Frage... und daraus
wurden 6... wie kann man also in so einem Kaff fast eine Woche
verbringen? Ganz einfach: viele nette und interessante Leute in einem
familiären Rahmen. Da war also dieser Aborigine Dean, welcher genug von
seinem Job hat, und daher in seinen Ferien mit Backpacker Didjeridoos
herstellt. Dann ist da dieser Ben (Holland) der doch gleich 12 Didjes
herstellen, nach Hause verschicken und verkaufen will... und Silke aus
Deutschland, welche mit dem Velo unterwegs und an einem verregneten Tag
hier gestrandet ist... wahnsinn, mit dem Velo, und erst noch alleine!
Ein paar Tage später trafen noch die Kanadier Janice und Tony ein. So
vergingen da also diese Tage im nu mit Dijeridoo herstellen am Strand,
surfen, Bier trinken im Surfklub und BBQs... und anderen verrückten
Ideen, wie morgens um drei den Mount Warning zu besteigen, um den
Sonnenaufgang zu sehen, und somit die ersten Sonnenstrahlen Australiens
zu catchen. Naja, bei Sonnenaufgang waren wir zwar noch nicht auf dem
Gipfel, aber wir hätten sowieso nicht das gewünschte gesehen, da der
Himmel mit Wolken behangen war. Wir hatten also eine super Zeit in
Cabarita Beach, und beschlossen daher, uns später wieder zu treffen, um
gemeinsam Fraser Island zu besuchen.

Ein anderes Thema: meine Kamera. Ja, es hat doch tatsächlich sieben
Wochen gedauert um diese zu reparieren! Immerhin hat sich Canon
schlussendlich doch noch zu einer Sonderleistung bewegen lassen, und hat
die Kamera einem Techniker mitgegeben, welcher privat von Melbourne nach
Brisbane flog, und mir die Kamera am Flughafen übergab! Die Fahrt nach
Brisbane wäre dann auch nicht weiter erwähnenswert, wenn das Auto nicht
mit 4 Personen, einem Fahrrad und 13 Dijeridoos vollgestopft gewesen
wäre! Ben verliess uns in Brisbane, was den Rest der Fahrt ein bisschen
angenehmer machte. Silke und Shimon begleiteten mich nach Noosa, wo wir
einmalmehr Nikki und Ana trafen, um Nikkis Geburtstag zu feiern. Die
nächsten paar Tage verbrachten wir in Noosa am Beach, mit Spaziergängen
im angrenzendern Nationalpark, Canoing, BBQ und Ausgang... Dann hies es
Abschied nehmen von Ana, Nikki und Shimon, welche wir in der Folge nicht
wiedersehen sollten. Nach einer langen Zeit startete ich in Noosa endlich
wieder mit Campieren! Ich hatte zwar eine gute Zeit in den Backpackers
in Brisbane, Byron Bay und Cabarita Beach, aber das war dann genug fuer
eine Weile... Mit einer Reisebegleitung ist das Campieren auch wieder
guenstiger und macht unglaublich viel mehr Spass!

So Zog ich mit Silke weiter. Nach einem Abstecher in den Great Sandy
Nationalpark, wo wir unzählige Kangaroos zu Gesicht bekamen, aber von einem
unfreundlichen Campingplatzbesitzer vertrieben wurden, da wir irgendwo vom
Weg abgekommen waren, fuhren wir weiter nach Gympie. Dort besuchten wir Ann
und Roy
, welche Silke in Melbourne kennengelernt hatte. War am Anfang ein
bisschen ein komisches Gefühl wiedermal in einem privaten Haus zu
übernachten. Besonders, da niemand zuhause war als wir ankamen, wir aber
angewiesen wurden einfach durch die nicht abgeschlossene Garage ins Haus zu
gelangen und es uns gemütlich zu machen... Ein paar Stunden später lernte
ich dann auch die Hausbesitzer kennen... aufgestellte, nette und extrem
gastfreundliche Leute! So konnten wir also wiedermal für zwei Nächte in
einem echten Bett schlafen, und hatten den TV um ein paar Fussball Games
anzuschauen in greifbahrer Nähe... Wir mussten dann versprechen nach Fraser
Island nochmals nach Gympie zu kommen...

In Rainbow Beach trafen wir Janice, Tony und Ben wieder. Wir mieteten einen
4WD und nahmen am nächsten Tag die Fähre nach Fraser Island. Geteerte
Strassen gibts dort praktisch keine, dafür ist der Strand bei Ebbe fast
eine Autobahn... Ich konnte einen grossen Teil der Fahrten über holprige
Wege (rüttel, schüttel...) hinter dem Steuer verbringen, was mir viel
Spass bereitete... Wir campten direkt am Meer, rutschten Sanddünen
hinunter und machten ein schönes und gemütliches Feuer. Zudem gabs am
nächsten Tag Fisch zum Abendessen, welche wir von freundlichen Fischern
bekommen hatten, die wir zuerst nur nach dem Weg fragen wollten. Auf die
Frage, ob wir ein paar Fische kaufen könnten, kamen wir prompt ein paar
Fische, welche noch zabelten, in die Hand gedrückt... frischer kann man
Fisch nicht bekommen...
Als nächstes Campten wir beim Lake Allom, wo wir am Morgen ein erfrischendes
Bad nehmen konnten.  Die Schildkröten waren darüber nicht sehr erfreut, und
verzogen sich sogleich... nach einer weiteren Nacht und einem riesigen Feuer
hiess es schon wieder abschied nehmen von dieser unglaublich schönen, Tier
und Pflanzenreichen Insel. Verabschiedet wurden wir dann auch von einem
Dingo...

Abschied nehmen hiess es dann auch von Janice und Tony, welche nach Süden,
resp. nach Hause zogen.
Nach dem versprochenen Besuch in Gympie fuhren ich zusammen mit Silke und
Ben am nächsten Tag via Tincan Bay, wo freilebende Delphine von Touristen
gefüttert werden können, weiter nach Bundaberg. Dort besuchten wir natürlich
die Rum Destillerie und konnten so ein paar Gläser Bundaberg Rum
probieren...mmmhh... Beim anschliessenden Besuch im nächstgelegenen Pub, um
die Fussball WM nicht zu verpassen, kam ich mit dem Barkeeper ins Gespräch.
Craig fragte mich spontan ob ich Lust hättte für eine Party nach Noosa
hinunter zu fahren, wenn er das Benzin bezahle... Naja, eine verrücke Idee
nur für eine Party mit Fremden drei Stunden Auto zu fahren... aber wir sind
ja immer für verrückte Ideen zu haben... ;-) So kam es also, dass Ben, Craig
und ich am Sonntagabend nach Noosa runterdüsten. Silke zog von Bundaberg
wieder mit ihrem Fahrrad weiter. Meine Begleiter stimmten sich mit Bier und
Bundaberg & Coke schon auf dem Weg fleissig auf die Party ein... aber schon
bald ging die Party ja auch für mich los. Es hat mir besonders Spass gemacht
einmal eine Party mit Australier zu verbringen, und nicht immer nur mit
Backpacker zu feiern... Der Anlass war übrigens der Geburtstag von Darren.
Übernachten konnten wir schliesslich auf dem Sofa... und am nächsten Morgen,
nachdem wir die Überreste der Party aufgeräumt hatten, gings gleich weiter
mit Bier und BBQ... wir hatten eine super Zeit und lachten soviel wie
schon lange nicht mehr... so blieben wir also eine weitere Nacht und fuhren
tagsdarauf wieder hoch nach Bundaberg, da Craig wieder zur Arbeit musste.
Wir konnten anschliessend auch gleich in seinem Haus übernachten und die
Wäsche waschen, was natürlich sehr günstig war... ;-)

Dann war es wiedermal Zeit weiterzuziehen. Das nächste grosse Ziel war ein
tolles Plätzchen zu finden, um einen Tauchkurs zu besuchen. Eigentlich
wollten wir dies an einem ruhigen und gemütlichen Ort tun, aber die besseren
Angebote zogen uns nach Arlie Beach. Dies ist eines der Orte wo es von
Backpackern nur so wimmelt, und alles andere als ruhig ist.
Auf dem Weg dorthin machten wir immer mal wieder einen Abstecher ins
Landesinnere. So besuchten wir den auf einem Hochplaton gelegenen Blackdown
Tableland Nationalpark. Es war wirklich wiedermal an der Zeit gewesen, in
einem Nationalpark zu campieren. In der Nacht wurde es zwar eisig kalt, aber
dafuer durften wir wiedermal ein Feuer machen... am naechsten Tag machten
wir einen kurzen Hike zu den Rainbow Falls, und fuhren anschliessend ein
paar Stunden weiter nach Norden. In Mackay stoppten wir, um den Final der
Fussball WM nicht zu verpassen. Am naechsten Tag besuchten wir einmal mehr
einen Nationalpark ( Eungella NP) und einen Wasserfall... So waren wir also
nach ein paar ruhigen Tagen wieder bereit fuer die Party Town Arlie Beach...
Nach ein paar Abklaerungen hatten wir zwar nicht den guenstigsten aber den
fuer uns passensten Tauchkurs gebucht und schon bald gings los... Zuerst
zwei Tage im Pool und Theorieraum, und dann drei Tage und Nächte auf dem
Boot draussen beim Great Barrier Reef. Die Theorie war nicht allzu
schwierig, und die Übungen im Pool brachten wir auch problemlos, wenn auch
frierend, über die Bühne. Und dann endlich der erste  Tauchgang im Meer...
WOW... WOW... das war echt genial! Es folgten noch drei weitere Tauchgänge
und schon waren wir zertifizierte Taucher! Vier weitere Tauchgänge waren zum
Vergnügen geedacht, oder konnten genutzt werden um zum Adventure Diver
aufzusteigen, und somit bis 30 anstatt 18 Meter Tiefe tauchen zu dürfen.
Davon habe ich dann auch gebrauch gemacht, und bin nun auch nur noch
unweit vom Advanced Diver entfernt. Aber Adventure Diver hört sich doch
viel spannender an, oder?
Auf der Rueckfahrt vom Reef kamen wir an den Whitsunday Islands vorbei, und
konnten diese somit auch abhaken... Wir hatten zwar keine backpackeruebliche
Segeltour gemacht, aber wir hatten fuer den moment genug geschaukel...
So ruhten wir und noch ein paar Tage in Arlie Beach aus, um und von den
vielen Tauchgängen mit vielen neuen Eindrücken zu erholen...

Danach zogen wir weiter nach Townsville, wo wir die Fähre nach Magnetic
Island bestiegen. Auf dieser ruhigen und gemütlichen Insel verbrachten wir
ein paar Tage. Wann hat man sonst schon eine Campsite mit direktem
Meeresblick?
Bei einem gemütlichen Hike durch den Nationalpark sah ich dann auch endlich
die ersten Koalas in freier Natur. Zudem machte ich einen weiteren
Tauchgang. Diesmal vom Ufer aus... Die Sicht war zwar lange nicht so gut wie
draussen beim Reef, Spass gemacht hat es aber trotzdem. Mein Buddy war
diesmal nicht Ben, welcher ein bisschen Probleme mit seinen Ohren hatte,
sondern Florin. Wir hatten sie in Arlie Beach kennengelernt und auf Magnetic
Island wieder getroffen. Einmal mehr lernte ich also jemanden von Holland
kennen... Und so kam es, dass ich den weiteren Weg nach Cairns zusammen
mit zwei dutchies unter die Räder nahm...

Die unzähligen Zuckerrohr Felder, welche die Strassen säumten, wurden
langsam durch Bananen Plantagen abgelöst. In den Wäldern liegt ein
starker Eukalyptus Geruch in der Luft. Wir stoppten an ein paar
gemütlichen Plätzen in State Forests und Nationalparks für ein paar
Hikes und Camping. Die Wallaman Falls, mit 268 Meter die höchster
Wasserfälle Australiens, waren Eindrücklich und die kurze Wanderung
hinunter führte durch Regenwald. Das Wasser war ein bisschen kalt für
ein Bad, aber gut genug um die Füsse zu baden...
So kamen wir also gut in Cairns an, von wo aus Ben nun seinen Heimweg
antreten wird... Florin wird mich bis Darwin begleiten, wo ich dann
entweder mein Visa verlängern oder ausreisen muss... eines kann ich aber
schon voraussagen: ich habe noch keine Lust nachhause zu kommen... werde
sehen wohin der Wind mich trägt... von Australien habe ich noch nicht
genug, und während dem Reisen habe ich Lust auf mehr bekommen...
vielleicht nehme ich dann noch einen Teil Asiens in meine Reiseroute
auf... aber ich halte es wie gehabt, mache keine grossen Pläne und
schaue Tag für Tag was kommt und was ich Lust habe...

Phu... seid ihr noch da? oder ist der Boss schon gekommen und hat euch
ermahnt? Es soll euch ruhig ein bisschen Zeit kosten um alles zu
lesen... es hat ja schliesslich ein Weilchen gedauert um alles zu
schreiben... zudem war es recht anstrengend das Ganze in Deutsch zu
verfassen... habe lange kein Deutsch mehr gesprochen, und versuche auch
mit Deutschen und Schweizern beim Englisch zu bleiben... So hatte ich
mit einigen Sätzen mühe diese vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen
;-)